Liebe Mitglieder, Freundinnen, Freunde und Gäste in dieser nicht einfachen Zeit, wo wir alle isoliert sind und es an soziellen Kontakten mangelt, wollen wir die Gelegenheit nutzen und Leben in unsere Webseite einhauchen. Wir wollen hier die uns zugänglichen Informationen mit Euch teilen, über vergangene Veranstaltungen in der Gemeinde berichten, u.ä. Vorallem auch wegen der Tatsache, dass das Mitteilungsblatt nicht wie gewohnt Ende April herausgegeben werden kann.

Los geht es mit dem Grußwort zu Pessach von Rabbiner Edward van Voolen:

Öffne die Türe deines Herzens!

Es gibt einen Unterschied zwischen diesem Seder-Abend und allen anderen: Das ist keine Frage, sondern eine Tatsache. Denn heute sind es nicht zehn Plagen, sondern elf.

Die Hagada hat diese unübersehbare Kernbotschaft: In jeder Generation muss sich jeder vorstellen, als ob er selbst aus Ägypten ausgezogen ist (Rabban Gamli‘el). Im Gedenk- und Befreiungsjahr 2020 ist der Seder aktueller denn je. Denn Maror (Meerrettich) symbolisiert nicht nur das Elend der Vergangenheit, vor 3.300 Jahren, sondern auch das der Gegenwart.

Menschen wie die zwei ägyptischen Hebammen Schifra und Pua, die als erste Widerstandsfrauen in der Geschichte sich weigerten, den Völkermord des Pharaos durchzuführen (Exodus 1,15-21), setzen sich immer noch für andere ein, wobei sie manchmal ihr eigenes Leben riskieren. Ich bin ihnen, ihren Nachfolger*innen und dem heutigen Pflegepersonal zutiefst dankbar.

Und auch heute gibt es Menschen, die Führung zeigen – wie Moses damals. Obwohl die Hagada ihn nicht erwähnt, bewundere ich ihn. Er sah sich einem rücksichtslosen Herrscher gegenüber, der die Plagen bis zuletzt leugnete, sowie einem Volk, das seinen Rat mehrmals hartnäckig ignorierte. Ich bewundere unsere Bundesregierung und unsere Bürgermeister*innen, die uns durch diese schwierigen Zeiten begleiten, und unsere Wissenschaftler*Innen, die nach Tests und Medikamenten forschen.

In schwierigen Zeiten gibt es auch Solidarität: „Familien, die zu klein sind, um ein ganzes Tier zu essen, teilen mit den Nachbarn, unter Berücksichtigung dessen, was jeder braucht“ (Exodus 12, 4). Auch die Hagada gibt sofort den Ton an: “Jeder, der Hunger hat, kann hereinkommen und mitessen.” Wir sollten miteinander teilen (und nicht hamstern).

Wir sollten vorläufig weiterhin physisch Abstand halten, aber uns mehr denn je sozial verbinden. Öffne die Türe deines Herzens, ruft einander an, melde, wenn Du etwas brauchst. Zusammen werden wir auch diese Sklaverei überwinden und die Freiheit erblicken – so möge geschehen.

Rabbiner Edward van Voolen

Es werde Licht!

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